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Donnerstag, 13. März 2014

Eltern fürchten Frühstart

Umsetzung der Inklusion in der Kritik – CDU stellt Ratsantrag

Bielefeld(WB). Das Zauberwort heißt Inklusion, gleichberechtigte Teilhabe. 115 Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf sollen in Bielefeld im neuen Schuljahr in Regelschulen unterrichtet werden. Sie haben einen Anspruch darauf. Aber die Voraussetzungen stimmen nicht.

Von MichaelSchläger

Beispiel Gymnasium Heepen: Dort haben sich gerade alle Elternvertreter ausdrücklich für die Einführung der Inklusion ausgesprochen – aber nicht zum Schuljahr 2014/15, sondern frühestens ein Jahr später. »Wir wollen keine Extrawurst und halten das Thema für gesellschaftspolitisch wichtig«, sagt die Schulpflegschaftsvorsitzende Susanne Choitz. »Aber die Rahmenbedingungen müssen stimmen.«

Die Schule soll im Sommer zehn der 115 Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf aufnehmen. Es sind Kinder mit den Förderschwerpunkten »Lernen«, »Emotionale und soziale Entwicklung« und »geistige Entwicklung«, die keine Gymnasialempfehlung haben. In der Praxis bedeutet das: Sie müssen entsprechend ihrer Fähigkeiten unterrichtet werden, im Zweifelsfall auf einem anderen Level als die Regel-Schulkinder. »Zieldifferent« nennen das die Fachleute.

Keiner sagt es laut, aber an der Schule hatte die Tatsache, dass es gemeinsamen Unterricht geben wird, schon Konsequenzen beim gerade zu Ende gegangenen Anmeldeverfahren. Statt 137 Anmeldungen wie im vergangenen Jahr gab es an dem eigentlich überaus beliebten Gymnasium nur noch 101. Gerade Eltern leistungsstarker Schüler fürchten offenbar, ihr Kind könnte nicht ausreichend gefördert werden, wenn zu viel Rücksicht auf Förderkinder genommen werden müsste, weil Fachpersonal fehlt.

Tatsache ist, dass eine sonderpädagogische Unterstützungskraft nur in maximal 14 von 36 Wochenstunden in den Inklusionsklassen dabei sein könnte, es in weniger als der Hälfte der Unterrichtszeit eine eigentlich notwendige Doppelbesetzung geben würde. Die Gymnasiallehrer haben zudem keinerlei sonderpädagogische Ausbildung. Eine Fortbildung von 23 der 120 Pädagogen des Heeper Gymnasiums wird in Eigenregie organisiert. Eine »Schmalspur-Ausbildung«, meinen die Eltern.

Und dann ist da noch das Platzproblem. Schon jetzt ist die Schule eigentlich zu klein, wird an drei Teilstandorten unterrichtet. Als weiterer könnte die Tieplatzschule im Heeper Ortskern hinzukommen, eine Förderschule, die mit der Bonifatiusschule zusammengelegt wird. 250 Schüler des Gymnasiums müssten für mehrere Jahre pendeln.

Schulleiter Jörg Neumann ist eigentlich ein großer Befürworter der Inklusion. »Es geht nicht darum, sie zu verhindern, sondern sie zu verbessern«, sagt der Oberstudiendirektor. Die Eltern wollen sich mit einer Plakatdemo im Schulausschuss des Rates zu Wort melden. Auch Eltern der Realschule Heepen, die ebenfalls Inklusionsschule wird, sind dabei. Im Ausschuss steht das Thema Inklusion am kommenden Dienstag auf der Tagesordnung, geht es darum, welche weiterführenden Schulen die Kinder mit Förderbedarf aufnehmen sollen. Neben dem Gymnasium und Realschule Heepen sind sechs weitere dabei (das WESTFALEN-BLATT berichtete).

Zum Thema wird die Inklusion auch in der Ratssitzung am 20.   März. CDU-Schulpolitiker Marcus Kleinkes stellt dort den Antrag, die »räumlichen und sächlichen Voraussetzungen für das gemeinsame Lernen« an den Bielefelder Schulen zum Schuljahresbeginn 14/15 sicherzustellen und das Schulamt aufzufordern, die notwendigen personellen Voraussetzungen zu schaffen. Gleichzeitig müssten die bestehenden Förderschulen »in ihrem bisherigen personellen und räumlichen Umfang« erhalten bleiben.

Quelle: Westfalen-Blatt, 13.03.2014


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