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Samstag, 9. November 2013

Papierform

Von Michael Schläger

Die Papierform stimmt. Das Gebäude an der Eisenbahnstraße in Brackwede erfüllt alle Voraussetzungen für eine ordentliche Asylbewerberunterkunft. Groß genug für abgeschlossene Wohneinheiten. Verkehrsgünstig gelegen. Im Besitz der städtischen Wohnungsgesellschaft BGW.

Die Papierform ist das eine, die Akzeptanz eines solchen Standortes das andere. 200 Asylbewerber sollen dort ab 2015 leben. Nur einen Kilometer entfernt liegt im selben Stadtbezirk die Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber, die von 250 auf 450 Plätze aufgestockt werden könnte. Beides sind zwar ganz unterschiedliche Einrichtungen. Da hat Bielefelds Sozialdezernent Tim Kähler Recht. Aber beide zusammen könnten ein Problempotenzial bilden. Das ist die nicht ganz unberechtigte Befürchtung der Bezirkspolitiker und auch von weiten Teilen des Rates.

Bielefeld hat gerade in seiner jüngsten Geschichte immer wieder Gewaltiges geleistet, wenn es um die Integration ging. Angefangen von den Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg über die Russlanddeutschen bis zu den Bürgerkriegsflüchtlingen vom Balkan. Bielefeld wird in dieser Frage auch weiterhin Gewaltiges leisten müssen. Denn die Zahl der Asylbewerber steigt aktuell wieder drastisch an. Auch Flüchtlinge aus Syrien wird die Stadt bald aufnehmen.

Niemand will sich um diese Verpflichtungen drücken. Aber wenn es keine Konflikte geben soll, muss der Ausgleich gesucht werden, darf auch Kritikern nicht unterschwellig Fremdenfeindlichkeit vorgeworfen werden. Die Kritik der CDU, hier arbeiteten Rathaus-Dezernate aneinander vorbei, würden Gremien wie die Bezirksvertretung Brackwede quasi vor vollendete Tatsachen gestellt, ist nicht ganz unberechtigt. Daran muss gearbeitet werden, gerade im Hinblick auf künftige Herausforderungen.

»Da sind Menschen in Not, und wir diskutieren monatelang«, beklagte SPD-Ratsfrau Regine Weißenfeld am Donnerstag im Rat. Stimmt. Aber die Diskussionen müssten nicht so verlaufen wie die um den Standort Eisenbahnstraße, wenn alle etwas sensibler miteinander umgingen.

Quelle: Westfalen-Blatt, 09.11.2013


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